„When it's done", lautete die lapidare Standardantwort der US-Software-Schmiede 3D Realms auf die Frage, wann ihr Spiel „Duke Nukem Forever" denn auf den Markt kommen würde. Nun, die Entwicklung des Spiels begann im Jahr 1997 und war dann nach beinahe 14 Jahren tatsächlich im Juni 2011 abgeschlossen - niemand hatte mehr mit einer Veröffentlichung gerechnet.
Bestimmt gab es auch bei der Arbeit an „Duke Nukem Forever" so etwas wie Projektmanagement. Es wäre interessant zu untersuchen, welche Faktoren im Einzelnen zu den langen Verzögerungen geführt haben. Sicherlich spielte der rasante technische Fortschritt eine Rolle, der die Entwickler dazu zwang, ihr Produkt mehrmals mit einem völlig neuen Unterbau zu versehen, um gegen aktuelle Mitbewerber noch konkurrenzfähig zu bleiben. Darüber hinaus gab es Fluktuationen im Entwicklerteam.
„Duke Nukem Forever" ist sicher ein Extrembeispiel dafür, wie Projektmanagement komplett aus dem Ruder laufen kann. Dennoch zeigt sich hier exemplarisch, dass unvorhersehbare äußere Umstände zuweilen einen fatalen Einfluss auf die geplanten Abläufe haben. Projektmanagement auf dem Reißbrett wird aber auch sonst in den wenigsten Fällen funktionieren. Dazu sind die Prozesse mittlerweile zu komplex. Denn es gilt, vielfältige Abhängigkeiten mit einzukalkulieren: bei der internationalen, branchen-, firmen- oder abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit in innovativen Betrieben ebenso wie bei der Ausarbeitung crossmedialer Werbekampagnen, die so disparate Kanäle wie Print, Online, Mobile und womöglich auch noch Eventmanagement unter einen Hut bringen muss.
Perfektes Timing und optimale Kostenkontrolle sind immer erstrebenswert. Gerade deshalb gilt es, Unwägbarkeiten von Anfang an mit zu berücksichtigen, um im Falle einer Abweichung vom ursprünglichen Plan flexibel reagieren zu können. Denn machen wir uns nichts vor: In den Teams arbeiten heute nicht nur Experten der unterschiedlichsten Fachgebiete, sondern auch interne und externe Kräfte sowie Menschen vieler unterschiedlicher Nationalitäten zusammen, die mitunter noch gleichzeitig in mehrere Projekte eingebunden sind. Kommt es an einer Stelle zu einer kleinen Verzögerung, wirkt sich dies aus wie ein Bremsmanöver auf einer stark befahrenen Autobahn: der Stau ist vorprogrammiert.
Wer da als Projektmanager versucht, strikt am Plan festzuhalten, wird schnell an seine Grenzen stoßen. Das tägliche Projektgeschäft tickt anders als die Theorie im Lehrbuch. Die Aufgabe des Projektmanagers erfordert vielmehr in erster Linie die Fähigkeit, auf veränderte Situationen schnell reagieren zu können, Mitarbeiter möglichst fest einzubinden und zu motivieren. Darüber hinaus gilt es, für das optimale Verhältnis zum Auftraggeber zu sorgen - durch Zielstrebigkeit sowie Transparenz in allen Abläufen und Kostenkalkulationen.
Projektmanagement ist heute vielfach immer noch verkopft, akademisch und theorielastig. Damit aber wird es den Anforderungen der modernen, globalisierten Arbeitswelt nicht mehr gerecht. Mit detaillierter Planung ist es nicht mehr getan - so benötigt der moderne Projektmanager neben seiner Planungskompetenz ein gehöriges Maß an Empathie, um für Kunden, Techniker, Kreative, Verwaltungsmitarbeiter und Handwerker gleichermaßen der optimale Ansprechpartner zu sein. Projektmanager müssen heute in der Lage sein, Kompromisse zu akzeptieren, sensibel auf Veränderungen zu reagieren und abzuwägen, was für den Erfolg des Projekts von entscheidender Bedeutung ist und was nicht.
Mit einem Wort: Um optimale Ergebnisse zu erzielen, muss Projektmanagement seine Starrheit verlieren und „menschlicher" werden. Das sorgt nicht nur für eine realistischere Würdigung des erforderlichen Aufwands, sondern schafft auch mehr Raum zum Freisetzen innovativer, kreativer Ideen.